Niedrigwasser bei Flusskreuzfahrten: Aktuelle Lage auf Rhein, Donau und Elbe
Das anhaltende Niedrigwasser auf zahlreichen europäischen Flüssen beschäftigt weiterhin die Flusskreuzfahrtbranche. Besonders angespannt ist die Situation am Rhein, aber auch auf der Donau und der Elbe liegen die Wasserstände teilweise deutlich unter den üblichen Werten. Für Gäste von Flusskreuzfahrten bedeutet das allerdings nicht automatisch, dass ihre Reise ausfallen muss. Viele Veranstalter reagieren mit angepassten Routen, anderen Ein- und Ausschiffungshäfen oder zusätzlichen Bustransfers.
Vor allem auf dem Rhein hat sich die Lage zuletzt wieder verschärft. Am wichtigen Pegel Kaub wurden Ende September 2026 historische Tiefstände gemessen. Der SWR meldete am 30. September einen Pegelstand von nur noch einem Zentimeter. Am Wochenende zuvor war der Wert zeitweise sogar unter die Nullmarke gefallen. Kaub gilt als eines der entscheidenden Nadelöhre für die Schifffahrt auf dem Mittelrhein.
Rhein: Niedrigwasser bleibt das größte Problem
Der Rhein ist derzeit das Flusskreuzfahrt-Revier, auf dem Gäste besonders mit kurzfristigen Änderungen rechnen müssen. Der niedrige Wasserstand betrifft vor allem den Mittelrhein. Die offiziellen Vorhersagen der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung bewegten sich für Kaub Ende September weiterhin rund um die Nullmarke. Zum Vergleich: Der bisherige historische Niedrigwasserwert aus dem Jahr 2018 lag bei 25 Zentimetern.
Ein niedriger oder sogar negativer Pegelwert bedeutet dabei nicht, dass der Rhein an dieser Stelle kein Wasser mehr führt. Die Pegelstände beziehen sich auf einen festgelegten Pegelnullpunkt und entsprechen nicht direkt der tatsächlich vorhandenen Wassertiefe in der Fahrrinne. Dennoch wird die nutzbare Fahrrinne bei extremem Niedrigwasser immer flacher. Das zeigt sich aktuell auch daran, dass wesentlich weniger Schiffe unterwegs sind. Nach Angaben des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes wurden an der Schleuse Iffezheim zuletzt nur noch etwa 20 bis 30 Schiffe täglich gezählt – normalerweise sind es drei- bis viermal so viele.
Für Flusskreuzfahrtschiffe kommt es dabei stark auf Tiefgang, Schiffstyp und den jeweils zu befahrenden Abschnitt an. Deshalb kann ein Schiff eine Route unter Umständen noch befahren, während ein anderes bereits ausweichen muss.
A-ROSA: Reisen finden statt, Routenänderungen möglich
A-ROSA bestätigt auf seiner aktuellen Seite mit Reiseinformationen, dass die niedrigen Pegelstände weiterhin Auswirkungen auf die Reisen haben können. Nach dem Stand vom 28. September sind alle A-ROSA Schiffe wieder in Fahrt. Auf dem Rhein müssen Gäste allerdings weiterhin mit Änderungen rechnen. Möglich sind unter anderem andere Routen, veränderte Ein- oder Ausschiffungshäfen sowie Anpassungen beim Ausflugsprogramm.
Auch auf der Mosel hat sich die Situation zumindest teilweise stabilisiert. Die A-ROSA SILVA konnte ihre Mosel-Reisen wieder aufnehmen. Abhängig vom aktuellen Pegel können sich aber auch dort die Häfen für die Ein- und Ausschiffung ändern.
Auf der Donau weist A-ROSA ebenfalls auf mögliche Routenänderungen hin. Orte, die nicht direkt mit dem Schiff erreicht werden können, sollen gegebenenfalls über Transfers und Ausflüge angebunden werden. Für Neubuchungen auf der Donau, am südlichen Rhein und auf der Mosel bietet A-ROSA in der Saison 2026 zudem ein verkürztes Umbuchungsrecht bis 15 Tage vor Reisebeginn an, sofern sich die Pegellage nicht nachhaltig verbessert.
VIVA Cruises passt mehrere Flussreisen an
Konkrete Auswirkungen gibt es aktuell auch bei VIVA Cruises. Der Düsseldorfer Veranstalter führt auf seiner Informationsseite einzelne Abfahrten auf, deren Reiseverlauf aufgrund der Wasserstände verändert wurde.
Die VIVA ONE soll auf ihrer Reise vom 30. September bis 7. Oktober mit angepasstem Reiseverlauf unterwegs sein. Die Einschiffung erfolgt in Cochem; für Gäste ist ein Transfer vom Düsseldorfer Hauptbahnhof vorgesehen. Für die anschließende Reise ab 7. Oktober werden die Wasserstände weiterhin beobachtet.
Auch die Reise mit der William Wordsworth vom 30. September bis 4. Oktober wird mit verändertem Ablauf durchgeführt. Die Einschiffung findet in Güls statt, einschließlich Transfer ab Koblenz Hauptbahnhof. Bei der VIVA TIARA ist für die Reise vom 3. bis 8. Oktober eine Ein- und Ausschiffung in Alken mit Transfer ab Koblenz vorgesehen. Die VIVA ENJOY soll ihre Reise vom 3. bis 10. Oktober ebenfalls mit einer angepassten Route durchführen. Andere Schiffe wie VIVA BEYOND, PORTO MIRANTE, VIVA RUBY und VIVA VOYAGE sollen nach aktuellem Stand planmäßig fahren. Die Angaben von VIVA Cruises wurden zuletzt am 30. September aktualisiert.
Damit zeigt sich beispielhaft, wie Veranstalter auf Niedrigwasser reagieren: Statt eine komplette Kreuzfahrt abzusagen, werden Strecken angepasst, Häfen verlegt oder Teilstrecken mit Bussen überbrückt.
Phoenix Reisen beobachtet Rhein und Donau
Auch Phoenix Reisen spricht weiterhin von niedrigen Wasserständen auf Rhein und Donau. Nach dem Informationsstand vom 28. September gibt es mehrere Engstellen, an denen bereits wenige Zentimeter darüber entscheiden können, ob ein Flusskreuzfahrtschiff einen bestimmten Abschnitt passieren kann.
Phoenix konzentriert sich deshalb jeweils auf die unmittelbar bevorstehenden Abfahrten. Solange Gäste keine gegenteilige Information erhalten, sollen sie laut Veranstalter davon ausgehen können, dass ihre Reise stattfindet.
Für bereits gebuchte Flusskreuzfahrten auf Donau und Rhein mit Abfahrt bis einschließlich 9. Oktober 2026 bietet Phoenix bei anhaltendem Niedrigwasser zudem eine kostenfreie Umbuchungsmöglichkeit an. Ausgenommen sind unter anderem bestimmte Holland-/Belgien-Reisen sowie einige Mosel-Reisen.
Donau: Pegel weiterhin deutlich zu niedrig
Auch die Donau bleibt ein Sorgenkind. Die offiziellen ELWIS-Daten zeigen für den 30. September weiterhin ausgesprochen niedrige Werte.
Am Pegel Passau Donau bewegte sich der Wasserstand im Tagesverlauf beispielsweise zwischen rund 374 und 385 Zentimetern. Der dort ausgewiesene Regulierungs-Niedrigwasserstand liegt bei 415 Zentimetern. Noch deutlicher zeigt sich die Situation bei Pfelling, einer wichtigen Stelle auf der frei fließenden Donau zwischen Straubing und Vilshofen: Dort lagen die Werte am 30. September nur knapp über zwei Metern, während der ausgewiesene Regulierungs-Niedrigwasserstand bei 290 Zentimetern liegt.
Das bedeutet nicht, dass die Donau generell für Kreuzfahrtschiffe gesperrt wäre. Vielmehr hängt die Befahrbarkeit von einzelnen Streckenabschnitten, dem Tiefgang des jeweiligen Schiffes und den aktuellen Bedingungen ab. Gerade die Strecke zwischen Straubing und Vilshofen zählt traditionell zu den kritischsten Bereichen bei Niedrigwasser.
Auch die Elbe führt sehr wenig Wasser
Die Niedrigwasserlage betrifft nicht nur Rhein und Donau. Auch auf der Elbe liegen die Pegel weiterhin auf sehr niedrigem Niveau. Nach Angaben der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung wurden am Morgen des 30. September beispielsweise 51 Zentimeter in Dresden, 48 Zentimeter in Torgau und 47 Zentimeter an der Magdeburger Strombrücke gemessen. Bei Barby waren es lediglich 30 Zentimeter.
Flusskreuzfahrten auf der Elbe reagieren besonders empfindlich auf geringe Wasserstände. Viele der dort eingesetzten Schiffe besitzen zwar einen vergleichsweise geringen Tiefgang, trotzdem kann die Befahrbarkeit einzelner Abschnitte bei anhaltendem Niedrigwasser eingeschränkt sein.
Was bedeutet Niedrigwasser für gebuchte Flusskreuzfahrten?
Wer in den kommenden Tagen eine Flusskreuzfahrt auf Rhein, Mosel oder Donau gebucht hat, sollte zunächst nicht automatisch von einer Absage ausgehen. Die aktuellen Meldungen der Veranstalter zeigen vielmehr, dass zahlreiche Reisen weiterhin stattfinden.
Möglich sind allerdings Änderungen. Dazu gehören ein anderer Ein- oder Ausschiffungshafen, ausgelassene Häfen, ein veränderter Reiseverlauf, längere Liegezeiten an anderen Orten oder Bustransfers zu ursprünglich vorgesehenen Reisezielen. Teilweise werden auch Gäste zwischen zwei baugleichen oder vergleichbaren Schiffen umgesetzt, wenn ein bestimmter Flussabschnitt nicht passiert werden kann.
Entscheidungen fallen häufig sehr kurzfristig. Das liegt daran, dass sich Wasserstände durch Niederschläge im Einzugsgebiet innerhalb weniger Tage verändern können und bei manchen Schiffen bereits wenige Zentimeter über die Befahrbarkeit einer Strecke entscheiden.
Entspannung durch Regen möglich – aber noch nicht gesichert
Eine nachhaltige Entspannung der Situation ist Ende September noch nicht absehbar. Für Teile Deutschlands werden zwar Niederschläge erwartet, doch einzelne Regentage reichen nicht zwangsläufig aus, um die Wasserstände der großen Flüsse dauerhaft anzuheben. Am Rhein bezeichnet das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt die aktuelle Situation weiterhin als gravierend.
Für Flusskreuzfahrtgäste bleibt deshalb vor allem eines wichtig: Die Informationen des jeweiligen Veranstalters sollten bis unmittelbar vor Reisebeginn verfolgt werden. Telefonnummer und E-Mail-Adresse sollten außerdem korrekt in der Buchung hinterlegt sein, damit kurzfristige Änderungen schnell übermittelt werden können.
Quellen
Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes / ELWIS, SWR Aktuell, A-ROSA, VIVA Cruises und Phoenix Reisen. Stand der Recherche: 30.09.2026.





