Reisebericht: Flusskreuzfahrt mit der nickoSPIRIT durch die Niederlande
Eigentlich sollte es von Köln nach Straßburg ins französische Elsass gehen. Doch der Rhein hatte andere Pläne: Wegen des niedrigen Wasserstands wurde die Route kurzfristig geändert. Stattdessen führte unsere Flussreise mit der nickoSPIRIT von nicko cruises durch die Niederlande – von Utrecht über Rotterdam und Enkhuizen bis nach Amsterdam und Gorinchem. Was erst nach einem Umweg klang, entpuppte sich schnell als Reise voller schöner Überraschungen.





























Auf Flusskreuzfahrt mit der nickoSPIRIT durch die Niederlande
Vom 6. bis 11. Oktober 2026 war die nickoSPIRIT mit uns durch die Niederlande unterwegs. Auf dem Programm standen der Amsterdam-Rhein-Kanal, das Markermeer, die Lek und die Nieuwe Maas. Sechs Schleusen lagen auf dem Weg zwischen Utrecht und Utrecht. Rund 100 Gäste waren an Bord – bei einer Kapazität von 170 Passagieren blieb also viel Platz, um auf dem Schiff verwöhnt zu werden.
Von Berlin nach Utrecht: Ein langer Anreisetag
Der Tag führte zunächst mit der Bahn nach Köln, wo sich die Reisegruppe gegen 14 Uhr am Hauptbahnhof trifft. Von dort übernimmt ein Bus den Transfer nach Utrecht. Um 18:30 Uhr ist das Schiff erreicht – ein langer Anreisetag, der mit dem ersten Blick auf die nickoSPIRIT ein Ende findet.
Unsere zehnköpfige Gruppe trifft sich, anschließend werden Besatzung und Ausflüge vorgestellt. Kreuzfahrtleiter Ersin führt durch die Sicherheitsübung. Danach wartet das Abendessen in Mario’s Grill am Heck des Schiffes. Es ist ein ruhiger erster Abend in kleiner Runde. Gegen 23:30 Uhr geht es ins Bett – während für die Nautiker die Reise auf dem Amsterdam-Rhein-Kanal beginnt.
Die nickoSPIRIT: Genug Raum zum Durchatmen
Die nickoSPIRIT, Baujahr 2020, ist für maximal 170 Gäste ausgelegt, auf dieser Fahrt sind wir etwa 100. Das macht sich im Alltag bemerkbar: Die öffentlichen Bereiche wirken entspannt und auch beim Essen bleibt die Atmosphäre angenehm gelassen. Das Schiff ist 110 Meter lang und 11,4 Meter breit.
Unsere Zweier-Kabine 327 auf Deck drei ist recht klein, funktional ausgestattet und sauber. Mit Bett, Kleiderschrank, TV-Bildschirm und großem Panoramafenster zum Öffnen. Das Bad ist nur durch eine Schiebetür abgetrennt vom Schlafraum und daher nicht ganz geräuschabsorbierend ausgelegt.
Drei Restaurants bieten unterschiedliche Möglichkeiten: Im Hauptrestaurant wechseln die Menüs, das Frühstück wird am Buffet serviert und feste Tischplätze gibt es nicht. Mario’s Grill ist nur nach vorheriger Reservierung zugänglich und bietet eine feste Speisekarte. In „The Garden“, hinter der Lounge am Bug, gibt es zu ausgewählten Zeiten kleine Snacks – zum Frühstück, am Nachmittag und abends.
Auch abseits der Mahlzeiten findet sich ruhige Plätze an Bord: eine kleine Bibliothek mit einem ein Regal voller Bücher und Spielen. Auch die kleine Sauna auf Deck 1 kann nach vorheriger Anmeldung für zur Erholung genutzt werden. Direkt daneben stehen zwei Ergometer. Für ein großes Fitnessstudio reicht der Platz an Bord nicht, für eine kurze Bewegungseinheit aber schon.
Auf der Brücke und im Maschinenbereich arbeitet die Nautik-Crew mit zwei Diesel-Motoren. Wo es die Häfen ermöglichen, wird Landstrom genutzt. Der holländische Kapitän Teunis van Dijk führt das Schiff durch die niederländischen Wasserwege. Dabei ist der Tiefgang auch ohne Niedrigwasser entscheidend: Im Markermeer liegt das Schiff nach den Angaben an Bord etwas tiefer im Wasser – für mehr Stabilität und passend zu den Bedingungen der Route.
Rotterdam: Moderne Architektur am großen Strom
Am sonnigen Morgen liegt die nickoSPIRIT in Rotterdam unweit der Erasmusbrücke. Die Sonne funkelt auf dem Sonnendeck. Zwei weitere Schiffe liegen im Päckchen nebenan. Die Stadt begrüßt uns mit Hafenatmosphäre und einer Skyline mit New York-Feeling.
Wer das Tagesprogramm falsch liest und deshalb zu spät zum Frühstück kommt, muss sich mit dem kleineren, süßen Frühaufsteherangebot begnügen. Danach geht es zu Fuß ins Zentrum, durch den historischen Het Park und weiter bis zum Euromast. Für den Blick von oben gilt ein praktischer Tipp: Wer günstiger hinauffahren möchte, sollte sein Ticket online und mindestens eine Stunde vorher buchen.
Am Nachmittag wartet eine Hafenrundfahrt mit einem Spido-Schiff. Vom Wasser aus wird Rotterdam noch einmal anders sichtbar: als Hafenstadt und als Ort, an dem moderne Architektur eine große Rolle spielt. Die Tour führt durch die Erasmusbrücke, Willemsbrücke, entlang dem Euromast und dem alten Kreuzfahrtschiff Rotterdam (heute Hotelschiff mit Lidodeck) vorbei in Teile des großen Rotterdamer Hafens. Anschließend bringt ein Bus unsere Gruppe auf einer etwa einstündigen Rundfahrt mit einem unterhaltsamen Guide durch die Stadt. Ein paar Fotostops sind dabei inklusive.
Zurück an Bord bleibt Zeit für ein spätes Essen und die Anmeldung zum nächsten Ausflug. Rotterdam ist ein Auftakt, der die Reise gleich auf mehreren Ebenen öffnet: erst zu Fuß, dann vom Schiff aus und schließlich mit dem Bus durch die vielseitige, attraktive Hafenstadt.
Enkhuizen: Einblicke in das Leben an der Zuiderzee
Enkhuizen wirkt nach Rotterdam wie ein Wechsel der Welten. Das historische Städtchen liegt an der Grenze zwischen IJsselmeer und Markermeers – Gewässer, die zusammen mit der früheren Zuiderzee die Region prägten. Zwischen alten Fassaden und Hafenbecken fällt ein klingendes Türmchen (der Wehrturm Drommedaris) auf, dass regelmäßig klingende Töne von sich gibt.
Ein besonderer Einblick in die regionale Geschichte wartet im Zuiderzeemuseum. Im Freilichtmuseum wird unter anderem das Leben auf Urk um 1905 nachgestellt. Auf der sogenannten Urker Anhöhe stehen Originalhäuser aus dem früheren Inseldorf; die Ausstellung vermittelt, wie der Alltag vor den großen Veränderungen der Küstenlandschaft ausgesehen haben könnte.
Am Abend wird der Fahrplan angepasst. Die Schleuse auf dem Weg nach Amsterdam ist zwischen 22 und 6 Uhr geschlossen, deshalb startet das Schiff bereits um 18 statt um 20 Uhr. So bleibt genug Zeit für die Weiterfahrt. Und noch etwas bleibt von Enkhuizen: die Crew-Show. Mitglieder der internationalen Crew – insgesamt rund 40 Menschen aus 13 Nationen – treten mit Tanz und Sketchen auf. Das Programm ist bewusst unprätentiös und trifft den richtigen Ton. Am Ende zieht eine Polonaise durch die Lounge auf Deck drei. Der Abend endet mit Lachen und Musik, während die nickoSPIRIT von Kapitän
Teunis van Djik Kurs auf Amsterdam nimmt.
Amsterdam: Grachten, Fahrräder und ein regnerischer Tag
Kurz vor 23 Uhr liegt das Schiff nahe des Bahnhofs. Wer möchte, kann noch an Land gehen. Die Stadt ist auch spät am Abend in Bewegung. Wir streifen durch das Rotlichtviertel und kehren gegen halb eins zurück. Aus unserer Kabine fällt der Blick frei aufs Wasser und auf das nördliche Amsterdam.
Der nächste Tag gehört der Stadt – und dem Regen. Amsterdam zeigt sich grau und nass, doch selbst das passt zu einer Stadt, die sich mit Wasser arrangiert hat. Grachten, Brücken und Hausboote gehören zum alltäglichen Stadtbild; die historische Grachtenzone steht auf der UNESCO-Welterbeliste.
Die Fähren über das IJ sind für Fußgänger und Radfahrer kostenlos und verbinden den Hauptbahnhof mit Amsterdam Noord. Fahrräder sind überall. Unsere holländische Reiseführerin besitzt gleich drei – und erzählt, dass nicht selten eines davon in einer Gracht landet. Der Satz klingt in dieser Stadt weniger unwahrscheinlich, als er sollte.
Auch die Häuser erzählen von Amsterdam: schmale Fassaden, steile Treppen und Haken unter den Giebeln. Die Häuser wirken, als seien sie für eine Stadt gebaut worden, in der jeder Zentimeter zählt. Dass früher die Breite eines Hauses bei der Besteuerung eine Rolle spielte, ist eine verbreitete Erklärung für die schmalen Fassaden. Die Stadt selbst wird von Einheimischenauch „Mokum“ genannt – ein Name mit jiddischen Wurzeln.
Auf dem Stadtrundfahrt um die Amsterdam City herum begegnen uns eine alte Wassermühle an der Amstel und ein Tipp für einen tollen Markt im südlichen Stadtgebiet. Zwischen all den Eindrücken bleibt ein Spruch hängen, der den niederländischen Umgang mit dem Wasser auf eine einfache Formel bringt: „Gott erschuf die Welt und die Holländer Holland.“ Die Menschen haben dem Wasser über Jahrhunderte Land abgerungen – und leben bis heute mit ihm, statt es aus dem Stadtbild zu verbannen.
Amsterdam ist teuer, und der Wohnraummangel prägt die Stadt. Die Hausboote auf den Kanälen sind deshalb nicht nur ein hübscher Anblick, sondern auch ein Teil des Wohnens. An diesem verregneten Tag wirkt die Stadt vielleicht weniger glänzend als auf den üblichen Postkarten. Dafür zeigt sie sich von einer alltagsnahen Seite: lebendig, dicht und ganz auf ihre Wasserwege bezogen.
Gorinchem: Windmühle im Morgenlicht
In der Nacht legt das Schiff gegen 3:30 Uhr in Gorinchem an, nahe dem Heimatort unseres Kapitäns van Djik. Wer früh wach ist, bekommt dafür einen stillen Moment geschenkt: Beim Blick aus dem Fenster ziehen Gänse über den Fluss, am Ufer steht eine Windmühle, und langsam färbt der Sonnenaufgang den Himmel. Es ist eines jener Bilder, für die eine Flussreise kaum eine Erklärung braucht.
Gorinchem ist kleiner und stiller als die großen Stationen zuvor. Große Sehenswürdigkeiten drängen sich nicht auf. Eine Gruppe macht einen Stadtrundgang, andere genießen die Ruhe an Bord oder gehen auf eigene Faust los. Gerade nach Rotterdam und Amsterdam tut der Ort gut: kein dichtes Programm, kein großer Auftritt, sondern ein langsamer Vormittag in einer niederländischen Stadt am Wasser.
Zurück nach Utrecht: Eine geänderte Route wird zur eigenen Reise
Von Gorinchem führt die letzte Etappe zurück nach Utrecht. Nach sechs Tagen endet damit eine Reise, die anders geplant war und gerade deshalb ihren eigenen Charakter gefunden hat. Statt der Strecke von Köln nach Straßburg standen niederländische Städte, Kanäle und Seen im Mittelpunkt. Ein Bustransfer verband Köln mit Utrecht und brachte die Gäste am Ende wieder zurück.
Auf dem Schiff trafen sich Paare, Freundesgruppen, Reisegruppen und Eltern mit ihren erwachsenen Kindern, die meisten Gäste gehörten einer älteren Generation an. Für Unterhaltung sorgte auch Bord-DJ Dävid aus Hamburg. Am letzten Abend brachte das Schnaps-Bingo noch einmal Schwung in die Lounge – und zeigte, dass ein gelungener Reiseabschluss nicht unbedingt eine große Show braucht.
Am Ende sind es nicht nur die großen Städte, die von dieser Reise bleiben. Es sind auch die Gänse über dem Fluss, die Windmühle im Morgenlicht und die ausgelassene Polonaise an Bord. Die Route hatte sich geändert – und mit ihr die Erwartungen. Zurück in Utrecht war klar: Diese niederländische Flussreise war kein Ersatz für die ursprünglichen Pläne, sondern ein Erlebnis für sich.
Diese Reise wurde uns durch nicko cruises ermöglicht.





